Nach einem gewonnenen Wettbewerb 1991 plante und realisierte das junge Büro Sauerbruch Hutton am Checkpoint Charlie zwischen 1995 und 1999 die Erweiterung und Sanierung des bestehenden Hochhauses der GSW Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsbau-Gesellschaft Berlin. Das Video (04:18 min, englisch, via Vimeo) erzählt die Entstehungsgeschichte und erläutert das architektonische sowie städtebauliche Konzept des Gebäudeensembles.

Das Punkthochhaus (Gebäudebestand) wurde durch einen mehrgeschossigen, abgestuften Flachbau, vor allem aber durch ein Scheibenhochhaus in Nord-Süd-Ausrichtung und konkaver Westfassade ergänzt. Auch der Flachbau entlang der Rudi-Dutschke-Straße zieht sich mit einer leicht konkaven Fassade etwas von der Grundstücksgrenze zurück.

Ein prägender Bau der Nachwende-Architektur in der Berliner Innenstadt

In unmittelbarer Nähe zum Checkpoint Charlie und – städtebaulich – zum Hochhaus des Axel-Springer-Areals auf der Westseite und den Wohnhochhäusern der Leipziger Straße auf der Ostseite des ehemaligen Mauerstreifens entstand ein bemerkenswertes Gebäudeensemble (ca. 48.000 m² BGF). Es prägt das Bild der Berliner Innenstadt seit der Nachwendezeit entscheidend mit.

“Die Hochhausfassaden sind die wichtigsten baulichen Elemente des Niedrigenergiekonzepts.”

Sauerbruch Hutton auf ihrer Website über das GSW-Hochhaus

Inzwischen ist die GSW nicht mehr Eigentümerin des Gebäudekomplexes. Die städtebauliche und architektonische Bedeutung der Immobilie besteht natürlich weiter. Das belegen auch die vielen Preise und Nominierungen, die das Ensemble gewonnen hat, darunter den RIBA Award oder den Architekturpreis des BDA Berlin (beide im Jahr 2000).

Die prägnante Wirkung des erweiterten GSW-Hochhauses im Stadtraum entsteht vorrangig durch seine besondere Fassade aus farbigen Lichtschutzblenden, die von jedem Arbeitsplatz aus steuerbar sind. Die Sonnenschutz-Paneele sind Teil eines für damalige Verhältnisse avantgardistischen Niedrigenergiekonzepts, dass durch natürliche Belüftung und Belichtung auch für eine hohe Arbeitsplatzqualität sorgt.

Sauerbruch Hutton startet Online-Petition “Rettet die GSW-Fassade”

Genau diese Sonnenschutz-Paneele inklusive ihrer individuellen, unverwechselbaren Farbgebung sind laut der Architekt:innen aktuell in Gefahr. Der von Sauerbruch Hutton in den 1990er Jahren entwickelte Lichtschutz solle durch ein System aus “Stoffbehängen” ersetzt werden, “die am Ort fixiert sind und lediglich vertikal auf- und wieder eingerollt werden können” schreibt das Planungsbüro in einem Offenen Brief auf change.org der Ende Mai 2022 veröffentlicht wurde.

Der Offene Brief richtet sich an Kai Schreier, Senior Technical Property Manager bei der Sienna Real Estate Property Management Germany GmbH (als Vertreterin der aktuellen Eigentümer des Gebäudeensembles). Darin heisst es weiter: “Die Änderung der Fassade stellt eine grobe Entstellung des Gebäudes dar. Wir fordern Sie auf, diese Pläne aufzugeben, die Fassade anstatt dessen zu reparieren und die Farbgebung zu erhalten und ggf. durch eine Farbbeschichtung der Bestandspaneele aufzufrischen.”

Der geplante Austausch mit einem “banalen Universalprodukt” entstelle das Gebäude auf brutale Art, so Sauerbruch Hutton. “Er verunglimpft die Logik einer Architektur, die ganz in der Reaktion auf das Klima (Wind, Konvektion, Querlüftung, Sonnenstand) hin entworfen ist und den natürlichem Umgebungskomfort am Arbeitsplatz und maximale Flexibilität in der individuellen Licht- und Blicksteuerung ohne verschwenderischen Energieaufwand erzielt.”

Weitere Informationen: Offener Brief auf change.org, Projektseite auf sauerbruchhutton.de

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