04.03.2014

Die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen startet im März 2014 mit „Moderne Geisterstädte – Metropolen in Gefahr?“ eine neue Kinoreihe in Düsseldorf, Münster, Dortmund und Bielefeld. Es werden Filme präsentiert, die anhand von Beispielen aus verschiedenen Regionen der Welt verdeutlichen, wie einst visionär geplante Städte und Anlagen durch die Veränderung ökonomischer Voraussetzungen, politische Verfehlungen oder spekulative Machenschaften zur Kulisse werden können – und wie die Abwesenheit des Menschen zum Menetekel von Fehlplanungen und Gewinnsucht werden kann.

Architektur und Film: Moderne Geisterstädte (Ausschnitt des Flyers der AKNW)

Architektur und Film: Moderne Geisterstädte (Ausschnitt des Flyers der AKNW)

Die im Rahmen der Filmreihe gezeigten Beispiele reichen von einer Dokumentation des langsamen Ausblutens einer traditionsreichen Stadt wie Venedig über einen Videoblogger, der die allmähliche Wiederbelebung der ehemaligen Automobil-Metropole Detroit zeigt, bis hin zum Horrorfilm der 1980er Jahre, der die Bedrohlichkeit von riesigen, leerstehenden Neubaugebieten in der South Bronx als Parabel für seine Botschaft nutzt.

Im März und April werden in der Düsseldorfer Black Box, im Cinema in Münster, im sweetSixteen in Dortmund und im Bielefelder lichtwerk jeweils die folgenden cineastischen Interpretationen von Geisterstädten und dem menschlichen unterschiedlichen Umgang mit diesen vorgeführt:

Das Venedig-Prinzip (D 2012, Regie: Andreas Pichler)
In Venedig leben 58.800 Menschen, genauso viele Touristen kommen jeden Tag. Das Produkt Ve- nedig setzt 1,5 Milliarden pro Jahr um. Doch abends wird die Stadt, die als eine der schönsten der Welt gilt, zur Geisterstadt und ganze Viertel stehen leer: Das urbane Leben und die städtische Inf- rastruktur sind zum Erliegen gekommen. Venedig, mit starrem Blick auf die Touristen, wird zum Mythos, zu einem Disneyworld für Globetrotter.

Häuser für alle (D 2011, Regie: Gereon Wetzel)
Das Platzen der Immobilienblase in Spanien hinterließ Retortenstädte und Ferienanlagen, die nie- mand braucht. Politiker und Spekulanten kommen zu Wort, Betroffene berichten von bedrohlichen Zukunftsszenarien. Doch Mensch und Natur beginnen auf faszinierende und teils kreative Weise mit der Rückeroberung der Geisterstädte.
Als Vorfilm läuft die Dokumentation Kolmannskuppe – Diamanten-Geisterstadt in Namibia der Gebrüder Beetz, die den langsamen Verfall der in den 1960er Jahren endgültig aufgegebenen ehemaligen Diamantensucher-Siedlung protokolliert.

Detropia (USA 2012, OF; Regie: Heidi Ewing, Rachel Grady)
Seit dem Niedergang der Autoindustrie durchlebt Detroit eine rasante und fast unaufhaltbare Ent- wicklung in Richtung Insolvenz. Einst Symbol des amerikanischen Traumes, gleicht Detroit heute einer Geisterstadt. Der Film ist eine Symphonie über die prekäre Verwandlung einer Stadt, deren einstige Prachtbauten allmählich verfallen, die aber zunehmend für junge Künstler und Outsider zum Ort der Inspiration wird.

Wolfen (USA 1981, DF; Regie: Michael Wadleigh)
Riesige Neubauareale in leer stehenden Slumgebieten der South Bronx werden zum Schauplatz eines Kampfes auf Leben und Tod, bei dem sich ein Bauspekulant und die indigene Bevölkerung, welche über mystische Fähigkeiten verfügt, verbittert gegenüber stehen. Das Thema des ur-amerikanischen Mythos der Landgewinnung wird in Wadleighs Film zu einer Horror-Parabel über modernen Städtebau.

In alle Filme wird mit einem prägnanten cineastischen Vortrag eingeführt, in dem auf die architektonischen Besonderheiten des jeweiligen Werks hingewiesen wird. Nach der Vorstellung besteht bei einem kleinen Imbiss die Gelegenheit zum Austausch.

Architektur und Film: „Moderne Geisterstädte“ – Kinos und Termine

Düsseldorf, Black Box: 05. März, 12. März, 19. März, 26. März 2014, jeweils 20 Uhr
Münster, Cinema: 17. März, 02. April, 07. April, 28. April 2014, jeweils 20 Uhr
Dortmund, sweetSixteen: 01. April, 08. April, 15. April, 22. April 2014, jeweils 19.30 Uhr
Bielefeld, lichtwerk: 09. April, 16. April, 23. April, 30. April 2014, jeweils 19 Uhr

 

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